Nein sagen teil 3 annika kreis web

NEIN-sagen lernen Teil III

So sagst Du authentisch & verständlich “NEIN”

Rechtfertigungen und ihre Tücken: Finden wir uns in der Situation wieder, in denen wir NEIN sagen müssen (wollen!😉), verlieren wir uns dabei schnell in Rechtfertigungen – eine Erklärung für unser NEIN ist uns eben wichtig, um Verständnis und Akzeptanz von unserem Gegenüber zu erhalten. Doch unsere Rechtfertigung bzw. die darin enthaltenen Botschaften kommen beim Gegenüber nicht immer so an, wie wir es beabsichtigen. Statt Klarheit entsteht häufig ein Gefühl von Unbehagen oder innerer Gespaltenheit – sowohl bei uns als auch bei unserem Gesprächspartner. Man geht auseinander, doch die Situation wirkt nicht wirklich geklärt.
Im Rechtfertigungsmodus schildern wir unsere Gedanken oft unstrukturiert und ausschweifend, ohne dabei auf das eigentliche Anliegen oder die Perspektive unseres Gegenübers einzugehen. Dadurch entsteht viel Raum für Interpretation.

Das hat zur Folge, dass unser Gesprächspartner…

…zwischen unseren gesprochenen Zeilen Vorwürfe oder Schuldzuweisungen heraushört, selbst wenn sie von uns nicht beabsichtigt sind.
…den Eindruck erhält, wir würden uns „verteidigen“ – und niemand lässt sich gerne einen Angriff unterstellen;)
…sich zu einer Diskussion eingeladen fühlt, weil der Eindruck entstanden ist, dass wir uns mit unserem NEIN selbst nicht sicher sind.

Unser eigentliches Bedürfnis nach Verständnis und Akzeptanz bleibt so unerfüllt.

Konstruktiv Nein sagen

Bekannte Ansätze

Ansätze zur Gestaltung einer verbindenden und auch deeskalierenden Kommunikation wurden bspw. von Marshall B. Rosenberg (Gewaltfreie Kommunikation) oder Terry Dobson (“Aikido in everyday life”) entwickelt. Sie alle haben eine ähnliche Vorgehensweise als Grundlage, die wir auch für die Formulierung eines authentischen und verständlichen NEINs nutzen können:

Innerliche Vorbereitung:
1. Gefühls- und Bedürfnisklärung: Was geht in meinem Gegenüber vor? Was geht in mir vor?
2. Konzentration auf den sachlichen, faktischen Inhalt der Situation sowie Verbindung: Um was geht es konkret?

Antworten bzw. reagieren:
3. Schilderung der beobachteten Situation und der wahrgenommenen Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers
4. Mitteilung der wahrgenommenen eigenen Gefühle und Bedürfnisse in der Situation

Ein Hinweis

es uns schwerfallen, eine klare, bedachte Antwort zu formulieren (weshalb das so ist, habe ich in Teil I erklärt). Verschiebe deine Antwort deshalb besser auf einen späteren Zeitpunkt, informiere dein Gegenüber dabei aber unbedingt, wann er eine Antwort von dir erwarten darf. So gibst du dir Zeit, dir über deine Gedanken, Bedürfnisse und Gefühle sowie das Anliegen deines Gesprächspartners klar zu werden und eine angemessene Antwort zu formulieren.

Vorgehensweise

Innerliche Vorbereitung:
1a. Du nimmst das Anliegen, die Gefühle und Bedürfnisse deines Gegenübers wahr: Welches Bedürfnis möchte er sich mit seinem Anliegen an dich erfüllen (bspw. Unterstützung, Gemeinschaft…)? Welche Gefühle nimmst du bei ihm wahr (bspw. Ungeduld, Nervosität, Spannung…) ?

1b. Du nimmst deine Bedürfnisse wahr, die sein Anliegen in dir ansprechen. Das können viele – und teilweise widersprüchliche – sein: bspw. löst sein Anliegen das Bedürfnis in dir aus, verlässlich zu sein und gleichzeitig brauchst du Ruhe bzw. Entspannung. Frage dich dann: Welches wiegt mehr, welchem möchtest du nachgehen?

2. Du besinnst dich auf die Fakten und Inhalte, d.h. du filterst deine Bewertungen und Interpretationen zu seinem Anliegen heraus. Kannst du sein Anliegen wertfrei und faktenbasiert wiedergeben?

Antworten bzw. NEIN-sagen:
3. Du zeigst Verständnis für sein Anliegen (wenn das für dich authentisch möglich ist, ansonsten siehst du besser davon
ab) und gibst sein Anliegen in deinen Worten – wertfrei und faktenbasiert – wieder. Dabei benennst du seine Bedürfnisse und auch Gefühle, die du wahrgenommen hast. WICHTIG: Formuliere dies so, dass er die Möglichkeit zur Richtigstellung hat, falls du falsch liegst.

Das Gespräch kommt so auf eine sachliche und gleichzeitig verbindende Ebene, denn Wesentliches steht nun im Vordergrund.

4. Du sprichst dein NEIN aus und begründest es mit deinen Bedürfnisse (und auch Gefühlen, wenn es für dich passt).

Möglicherweise wird dein NEIN nicht akzeptiert (siehe hierzu Teil II), dann könnt ihr optional in die Kompromissfindung gehen.

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