
Denk- & Verhaltensmuster hinterfragen
Deshalb ist es wichtig, andere um Hilfe zu bitten
Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, dass Du Deinen Mitmenschen auch etwas gibst, wenn Du sie um Hilfe bittest? Wir neigen dazu zu glauben, dass eine Bitte um Unterstützung vor allem bedeutet, etwas zu nehmen – sei es Zeit, Energie oder materielle Dinge wie Geld, Möbel oder ein Auto. Doch häufig übersehen wir, dass auch der Helfende profitieren kann. In diesem Artikel möchte ich Dir zeigen, wie das Teilen einer Herausforderung nicht nur Verbindung schafft, sondern auch dem Gegenüber Sinn stiften kann – damit es Dir künftig vielleicht leichter fällt, nach Unterstützung zu bitten und diese auch anzunehmen.
„Wenn wir unsere Mitmenschen nicht um Unterstützung bitten, verwehren wir ihnen die Freude der Wirksamkeit.“
Wirksamkeit…
…ist evolutionsbedingt ein starkes menschliches Bedürfnis. Es ist erfüllt, wenn wir unsere Fähigkeiten und Kenntnisse anwenden und damit Wirkung erzielen können – für uns selbst oder für unsere Mitmenschen. Das erzeugt Freude und Glück in uns. Wir wollen gebraucht werden und unterstützen meist selbstverständlich und gerne, wenn andere uns um Hilfe bitten.
Und trotzdem kann uns das Fragen nach Hilfe schwerfallen, denn es ist aufgrund unserer Prägung bzw. Erziehung und Erfahrungen häufig scham- und vorurteilsbesetzt. Und so stellen wir uns unseren Problemen und Herausforderungen dann doch eher im Alleingang, um
Räumen wir mit diesen Denkmustern etwas auf:
Eigenverantwortung
Geben und Nehmen bedürfen der Eigenverantwortung. Der Gebende bzw. Helfende entscheidet eigenverantwortlich, ob er gewillt ist zu unterstützen und ob er auch über die dafür notwendigen Kapazitäten und Ressourcen verfügt. Geschieht Geben stattdessen aus einem destruktiven Denkmuster heraus, so führt dies oftmals zu Konflikten zwischen dem Gebenden und dem Nehmenden. Geben sollte also von Herzen und ohne Erwartungshaltung geschehen. Wird Hilfe verwehrt, sollte dies vom Nehmenden daher ebenso akzeptiert werden.
Auch der Nehmende darf eigenverantwortlich handeln, indem er Selbstfürsorge walten lässt und seine Grenzen (an)erkennt: Was kann ich wirklich selbst – in einer angemessenen Qualität und mit einem adäquaten Aufwand – leisten und wann wäre die Hilfe anderer angebracht? Denn geht man regelmäßig über seine Grenzen hinweg, kann dies zu Erkrankungen und damit zu Hilfsbedürftigkeit führen.
Gegenleistung – „Jetzt bin ich etwas schuldig…“
„Keine Leistung ohne Gegenleistung” – kennst Du diesen Satz und das dazugehörige Verpflichtungs- und Abhängigkeitsgefühl? “Aufwiegen” war vor allem früher ein starkes Erziehungsinstrument und schließlich baut unsere Arbeitswelt auf dem Grundsatz des Leistungsaustausches auf. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich das Denken in Aufwiegen immer noch hartnäckig in unseren Köpfen hält und unsere Beziehungen erschweren kann. Leistungsaustausch hat in Beziehungen jeglicher Art zwar seine Berechtigung, nur sollte dies nicht zu Lasten der Gesundheit der Beziehung oder der Beteiligten praktiziert werden. Eine gesunde Einstellung zum Austausch von Leistungen ist wichtig.
Wenn wir also unseren Blick auf diesen Grundsatz etwas weiten und stattdessen sagen „Was ich gebe, das fällt (irgendwann) auf mich zurück“, wird “irdisches Karma” daraus: Denn wenn jeder Mensch irgendwo ein wenig hilft, gelangt Hilfe irgendwann an anderer Stelle wieder zu diesem zurück. Geben erhält so einen freiwilligen und sinnstiftenden Charakter, was Konflikten vorbeugen und das Miteinander fördern kann.
Mit Begrenzung umgehen lernen
Die Akzeptanz der Begrenzung der eigenen Fähigkeiten und Ressourcen fällt uns manchmal schwer. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns gerne mit anderen vergleichen, obwohl ein Vergleich angesichts der individuellen Fähigkeiten- und Ressourcenausstattung eines jeden Menschen eigentlich unmöglich ist. Doch vor allem sind wir aufgrund unseres naturgegebenen Überlebensstrebens überwiegend im Mangeldenken unterwegs: Wir beobachten, was wir alles nicht haben oder können und “bessern” nach, um unsere Existenz zu sichern. Hier wirken zudem noch die Bedürfnisse nach Kontrolle und sozialer Anerkennung und Ängste vor Scheitern und Endlichkeit ein.
Energie-, ressourcen- und gesundheitsschonender wäre es jedoch, unsere Fähigkeiten und Talente zu betonen, wie wir es in der Arbeitswelt durch die Arbeitsteilung schon lange handhaben, um einen höchstmöglichen Output zu erzielen. Wirksamkeit, Erfüllung und Anerkennung wären uns auch so sicher.
Fazit
Sei gütig zu Dir und zu anderen: Erkenne deine Grenzen an und gib deinen Mitmenschen die Möglichkeit, wirksam zu sein. Frage nach Hilfe, damit auch Du – an anderer Stelle vielleicht – um Unterstützung gebeten wirst und die Gelegenheit hast, deine Fähigkeiten und Kenntnisse wirkungsvoll einzusetzen. Eigenverantwortung und Freiwilligkeit sind dabei Voraussetzung, um Konflikte zu vermeiden.